RNZ-Artikel Julian Kaufmann
 

Buchen/Mosbach. (tra) Manchmal ist es für Azubi Julian Kaufmann nicht einfach, die Post von einem Büro ins nächste zu bringen. Dann packt er die Briefe in eine Tüte und hängt sie an seinen Rollator. Und das Problem ist gelöst. Der 18-jährige Mosbacher ist gehbehindert. Sein Leben mit Behinderung bringt er mit einem kurzen Satz auf den Punkt: „Ich möchte mittendrin dabei sein.“ Diese Einstellung prägt sein Leben: Die mittlere Reife hat er auf einer regulären Realschule gemacht. Und auch sein Ausbildungsplatz ist ganz „normal“: Momentan macht er beim DRK-Kreisverband Buchen eine Ausbildung zum Bürokaufmann.

„Er soll lernen, alle Aufgaben, die im Beruf auf ihn zukommen, zu bewältigen. Dabei soll er nicht das Gefühl haben, auf die Gehbehinderung reduziert zu werden“, unterstreicht Sigrid Schmitt, Kreisgeschäftsführerin des DRK. Bei der Arbeit steht ihm auch Kollegin Kathrin Mackert zur Seite: „Wir helfen und fördern, und wenn es Probleme gibt, finden wir immer eine Lösung.“ Julian Kaufmann fühlt sich an seinem Ausbildungsplatz wohl und in der Berufsschule gehört er zu den Besten. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz gestaltete sich jedoch schwierig: Mehrere Arbeitgeber reagierten zurückhaltend. Und seine Bewerbungen wurden abgelehnt. Zum Beispiel, weil es im Unternehmen kein passendes Treppengeländer gab, oder weil er im Rahmen der Ausbildung häufig das Stockwerk hätte wechseln müssen.

Beim DRK war das anders. „Wir fanden seine Bewerbung interessant, haben ihn eingeladen und er hat uns von sich überzeugt“, denkt Sigrid Schmitt zurück. Die Gehbehinderung spielte für das DRK-Team nur eine untergeordnete Rolle. „Das DRK hat sich Menschlichkeit auf die Flagge geschrieben und es gehört auch zu unserem Selbstverständnis, Menschen mit Behinderung anzunehmen“, sagt die Kreisgeschäftsführerin. Aber sie verschweigt auch nicht, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung den Arbeitgeber manchmal vor Herausforderungen stellt. Hier ist die Arbeitsagentur der richtige Ansprechpartner.

„Die Arbeitsagentur berät, unterstützt, finanziert und informiert“, erläutert Reha-Beraterin Ulrike Gehrig-Ferreira von der Agentur für Arbeit in Mosbach. Sie unterstützt junge Menschen mit Behinderung, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Die Arbeitsagentur unterstützt Arbeitgeber auch bei dem Prozess, den Arbeitsplatz barrierefrei zu gestalten. Wolfgang Häfner ist Technischer Berater bei der Arbeitsagentur. Er berät Julian Kaufmann und das DRK-Team hinsichtlich der Umbaumaßnahmen: In das Buchener DRK-Gebäude soll ein Aufzug kommen.

Auch ein Auto soll an die Bedürfnisse des Azubis angepasst werden. Aber die menschliche Ebene spielt natürlich eine ebenso große Rolle wie die technische: Von Arbeitgebern wünscht sich Julian Kaufmann, dass sie Menschen mit Behinderung offen begegnen. „Sie sollten mit den Arbeitnehmern über die Behinderung sprechen und fragen, was sie können und was sie nicht können. Dann klappt es bei der Arbeit“, sagt der junge Mann. Das ist es auch, was er unter gelungener Inklusion versteht. Für Menschen mit Behinderung sei das Leben trotz der gesellschaftlichen Präsenz des Themas Inklusion nach wie vor oft ein Kampf. Diesem Kampf ist Julian Kaufmann nie aus dem Weg gegangen: In der Schule für Körperbehinderte fühlte er sich gebremst. „Ich wollte nicht im Rollstuhl sitzen und von Zimmer zu Zimmer geschoben werden“, denkt er zurück. Und er meldete sich daraufhin an der Realschule an. „Jeder muss individuell seinen Weg finden“, meint Wolfgang Häfner. Für manche Jugendlichen sei die Schule für Körperbehinderte richtig, für andere nicht. Er bekräftigt: „Viele Kinder mit Behinderung entwickeln sich gut an der Regelschule. Sie werden von den anderen mitgerissen. Zudem lernen Kinder schon von klein auf, dass Menschen mit Behinderung einfach dazugehören.“

Quelle RNZ

 

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